KI und der Biber.
KI
Wo führt das mit KI eigentlich hin? Mit unserer Arbeit. Mit unserer Gesellschaft. Und überhaupt, inwieweit betrifft das Dich?
BLOG / FEBRUAR 2026 / NR.1 / NEWS
SMD-Redaktion, Sabine Schrader
Was ein Biber über Arbeit weiß, was wir vergessen haben.
Im Frühjahr 2026 erscheint »KI und der Biber« von Volker Schrader im Vigilia-Verlag – eine literarische Reise zu außergewöhnlichen Gesprächspartnern über die Frage: Was ist unsere Arbeit wert, wenn KI immer mehr kann? Mit dabei: Leonardo da Vinci, eine Wissenschaftlerin aus der Zukunft, ein Biber – und natürlich eine KI.
Als Markenagentur beobachten wir diese Transformation aus einer besonderen Position: Unsere Branche wird gerade als eine der ersten und mitunter intensiv von KI durchgerüttelt. Aber was diese Branche erlebt, ist eigentlich nur ein Frühwarnsystem für das, was auf alle Wissensarbeiter zukommt – in Marketing und Vertrieb, im mittleren Management, in der Verwaltung, in der Wissenschaft. In allen Berufszweigen, die verständnisvoll, aber aus sicherer Perspektive auf die Automatisierung anderer Jobs geschaut hat.
Die Frage berührt mehr, als darüber gesprochen wird.
Gepostet werden lustige Bilder und Videos, sowie die Versprechen von vielen Expertinnen und Experten, bereits unfassbare Erfolgssysteme mit KI geschaffen zu haben.
Die Zahlen aus unserer Branche sind dramatisch, aber sie sind nur ein Vorgeschmack: 72 Prozent fühlen sich von der Geschwindigkeit überfordert. 53 Prozent haben Angst, den Anschluss zu verlieren. Besonders bitter: 27 Prozent der 18 bis 29-Jährigen haben Angst, durch KI »abgehängt und nutzlos« zu werden.
Das betrifft längst nicht mehr nur Agenturen. 36 Prozent aller Arbeitnehmer:innen in Deutschland fürchten durch KI um ihren Job. 70 Prozent rechnen mit Jobabbau durch KI-Konkurrenz. Das mittlere Management, Sachbearbeiter:innen, Analystinnen und Analysten, Projektmanager – alle, deren Arbeit hauptsächlich aus Informationsverarbeitung besteht, stehen vor der gleichen Frage: Was macht meinen Beitrag wertvoll, wenn KI das Meiste schneller und günstiger kann?
McKinsey prognostiziert, dass bis 2030 allein in Deutschland 3 Millionen Jobs von Veränderungen betroffen sein werden. 54 Prozent davon: administrative Bürotätigkeiten. Zum ersten Mal in der Geschichte trifft eine technologische Revolution nicht die Fabrikhalle, sondern den Schreibtisch.
Die Versprechen klingen gut. Die Realität ist kompliziert, auch gerne komplex genannt oder eben wie es ist: die Realität.
Die Produktivitätsversprechen sind überall. McKinsey spricht von Billionen Dollar globaler Wertschöpfung. Studien zeigen Zeitersparnis von mehreren Stunden pro Woche. Gleichzeitig: Das IW Köln prognostiziert für Deutschland nur 0,9 Prozent jährliche Produktivitätssteigerung durch KI bis 2030. Kein Wunder, sondern Promille.
Warum die Lücke? Weil nur jedes vierte bis fünfte Unternehmen KI überhaupt strategisch einsetzt. Weil wir Prozesse optimieren, ohne zu fragen, ob der Prozess selbst noch der richtige ist. Weil wir beschleunigen, ohne zu klären: Wohin eigentlich?
Und vor allem: Weil 93 Prozent zwar überzeugt sind, dass KI-Kompetenz in zwei bis vier Jahren entscheidend sein wird – aber nur 28 Prozent tatsächlich Schulungen absolviert haben. Ein Drittel fühlt sich kompetent. Der Rest navigiert im Nebel.
Effizienz beantwortet nicht die Wertfrage
Wir können schneller arbeiten. Reports in Sekunden generieren, Analysen automatisieren, Präsentationen auf Knopfdruck erstellen. Aber schneller wofür?
Das ist die unbequeme Wahrheit hinter den Effizienz-Metriken. Wir optimieren das Tun, ohne die Frage nach dem Warum zu stellen. Wir produzieren mehr, aber was davon hat tatsächlich Wert?
Was gewinnen wir, bedingt immer auch die Frage: Was verlieren wir dadurch?
Das ist nicht abwertend gemeint, sondern strategisch professionell. Urteilskraft braucht beide Seiten, um wirklich stark zu sein.
Was bleibt, wenn Wissen zur Massenware wird?
Früher war Wissen ein Wettbewerbsvorteil. Wer schneller recherchierte, mehr Daten hatte, komplexere Zusammenhänge durchschaute, war wertvoll. Heute steht dieses Wissen – zumindest in der Breite – jedem zur Verfügung, der ein KI-Tool bedienen kann.
Formale Bildungsabschlüsse verlieren an Bedeutung: Bei Jobs mit starkem KI-Einfluss sank der Anteil der Stellen, die einen Hochschulabschluss voraussetzen, von 47 Prozent (2019) auf 41 Prozent (2024). An deren Stelle treten praktische Fähigkeiten – aber welche genau?
Vielleicht solche, die sich nicht prompten lassen? Die Fähigkeit zu fragen statt nur zu antworten? Mehrfachdeutungen auszuhalten? Urteile zu fällen, wo Algorithmen nur Wahrscheinlichkeiten liefern? Verantwortung zu übernehmen für Entscheidungen, die keine eindeutige »richtige« Lösung haben?
Warum ein Buch mit einem Biber?
Genau hier setzt »KI und der Biber« an. Nicht mit Frameworks oder Tool-Guides, sondern mit Geschichten. Mit Dialogen, die auf den ersten Blick absurd wirken – warum zur Hölle sollte ein Biber etwas über moderne Wissensarbeit zu sagen haben?
Aber vielleicht liegt genau darin der Punkt. Der Biber baut nicht, weil er muss. Er baut, weil es seine Art zu gestalten ist. »Sie schauen. Dann machen sie es falsch. Dann machen sie es besser.« Das ist kein ROI-Kalkül. Das ist etwas anderes.
Der Autor wählt mit »KI und der Biber« bewusst einen literarischen Zugang. Als Raum, um Fragen zu stellen, für die in Quartals-Reviews kein Platz ist. Leonardo da Vinci, eine Wissenschaftlerin aus der Zukunft, eine KI selbst – diese Gesprächspartner eröffnen Perspektiven anders als die üblichen »10 Tipps für produktive KI-Nutzung«.
Im Buch wird nicht die Frage gestellt: Wie werde ich effizienter? Sondern: Was macht meine Arbeit wertvoll, wenn Effizienz kein Alleinstellungsmerkmal mehr ist? Es bietet Einsichten, Möglichkeiten und Antworten. Nichtsdestotrotz: Die Verantwortung sein Arbeitsleben zu gestalten, liegt bei jedem selbst. Aber sicher wird sich die Leserin oder der Leser dieses Buches motiviert fühlen, genau das in die Hand zu nehmen.
Die Transformation kommt. Die Frage ist: Wer gestaltet sie?
Die Fragen und bedenken sind real. Und sie verdienen mehr als Tool-Training und Produktivitäts-Dashboards. Sie verdienen die Auseinandersetzung mit der Frage: Was ist unsere Arbeit wert, wenn KI alles macht?
Einfach, um Klarheit zu schaffen und um bewusst zu gestalten – statt gestaltet zu werden.
Als Agentur, die von Storytelling lebt, glauben wir: Wenn Fakten austauschbar werden, bleiben Geschichten. Wenn Prozesse automatisiert werden, bleibt die Fähigkeit zu fragen. Wenn Wissen für alle verfügbar ist, wird Urteilskraft zum Unterschied.
Aber das ist nur unsere Perspektive. Die Fragen müssen wir alle beantworten – jeder für seinen Bereich, für seine Rolle, für seine Arbeit.