KI und die
Positionierungsfrage
Positionierung war Markensache. Jetzt gilt das für jede und jeden.
BLOG / JUNI 2026 / NR. 1 / KOMMUNIKATION
SMD-Redaktion, Sabine Schrader
Markenstrategie & KI
SAP läuft in fast jedem mittelständischen Unternehmen oder in deren IT-Landschaften.
Und trotzdem: Wenn es um KI geht, gehen 77 % der Kundinnen und Kunden zur Konkurrenz.
Diese Zahl stammt aus dem DSAG-Investitionsreport, veröffentlicht im Februar 2026. Sie zeigt, womit SAP-Vorstandsvorsitzender Christian Klein gerade kämpft: Der Konzern, der seit Jahrzehnten das Rückgrat der deutschen Unternehmens-IT bildet, muss erklären, warum er im KI-Zeitalter noch unverzichtbar ist. Klein hat deswegen die Führungsstruktur umgebaut, den Vertrieb abgegeben und KI zur Chefsache erklärt. Das Handelsblatt nannte es die »Schicksalsfrage für den einzigen deutschen Softwarekonzern von Weltformat«.
KI hat etwas sichtbar gemacht, das vorher so »mitgelaufen« ist: Welche Leistungen eigentlich austauschbar sind.
Funktionen, für die Unternehmen jahrelang Millionen bezahlt haben, kann ein KI-Modell heute so nebenbei. Märkte, die als stabil galten, sind es nicht mehr. Und die Frage, die Unternehmen normalerweise nur in Krisen stellen müssen, steht jetzt ganz nüchtern im Raum:
Warum sollte sich jemand für genau uns entscheiden?
Das ist eine Frage der Positionierung für Unternehmen und keine »Modell-/Toolauswahl«.
Und genau diese Frage stellen sich zur Zeit nicht nur Unternehmen, sondern auch viele Menschen. Denn Jahrzehntelang war »Spezialisierung« die richtige Antwort auf Unsicherheit. Wer etwas besser konnte als andere, wurde dafür bezahlt. Das war eine faire Logik. Sie hat funktioniert, weil Expertenwissen – oder ganz lapidar – »Können«, rar war.
KI macht Können weniger exklusiv. Nicht immer perfekt. Aber oft gut genug – und das ist der Unterschied. Denn Märkte bezahlen nicht für Perfektion; sie bezahlen für ausreichende Lösungen zum richtigen Preis.
Was schützt also noch?
Unser CCO Volker Schrader hat sich genau diese Frage gestellt. Sein Buch »KI und der Biber. Was ist Deine Arbeit wert, wenn KI alles macht?« erschien dieses Jahr zur Leipziger Buchmesse im Vigilia-Verlag. Es geht darin nicht um Technologie, sondern darum, wie wir unsere eigene Rolle finden. Wie wir Verantwortung für das übernehmen, was uns ausmacht und wie wir uns als Menschen, nicht als Funktionsträger, positionieren.
Das c’t-Magazin hat das Buch ganz aktuell besprochen. Eine Buchkritik, über die wir uns sehr gefreut haben, weil sie das Thema so trifft, wie es gemeint war: kurzweilig und mit unerwarteten Erkenntnissen.
Für Marken beantworten wir als SMD diese Frage jeden Tag. Wir nennen es Differenzierung, Markenkern, Haltung. Aber eigentlich ist es immer dasselbe: Herausfinden, was wirklich unverwechselbar ist – und dann nicht nachlassen, bis auch das sichtbar wird. Eine Arbeit die wir von außen für Marken und Unternehmen entwickeln.
Aber Volker setzt sich im Buch mit einer anderen Frage auseinander: Was passiert, wenn nicht eine Marke, sondern ein Mensch herausfinden muss, worauf sein Wert eigentlich beruht? Das ist eine andere Übung. Recht unbequem … und vielleicht deshalb die wichtigere.
Die Zukunft wird nicht einfach zwischen Mensch und KI entschieden. Sie entscheidet sich daran, wer erkennbar bleibt, wenn vieles möglich und noch mehr austauschbar wird.
Das gilt für Unternehmen. Für Marken. Und für jeden Einzelnen von uns.
»KI und der Biber« ist im Vigilia-Verlag erschienen und überall erhältlich, wo es Bücher gibt.
Die vollständige Besprechung von »KI und der Biber« durch Dorothee Wiegand im c’t Magazin oder in der Wirtschaftswoche durch Claudia Tödtmann lohnt sich – auch als Einstieg, bevor man das Buch aufschlägt.

